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30.06.2011
Initiative für familienfreundliche Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen
Plenarsitzung Landtag Nordrhein-Westfalen 30. Juni 2011 TOP 6 Initiative für familienfreundliche Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 14/1920 Rede: Heike Gebhard MdL -Es gilt das gesprochene Wort- Anrede! Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass unsere Betriebe Bedürfnisse von Familien berücksichtigen. Die Realität ist aber immer noch eine andere. In den letzten beiden Jahrzehnten ist im Gegenteil die Erwartung an die Beschäftigten auf ständige Verfügbarkeit permanent gestiegen. Und der Gesetzgeber – auch hier in NRW hat seinen Beitrag dazu geleistet, beispielsweise mit einem Ladenöffnungsgesetz, dass die Arbeitszeiten ohne Not – anders als in Krankenhäusern - ausweitet. Der mal vorhandene gesellschaftliche Konsens, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf Familienzeit haben und zwar zeitgleich, ist aufgekündigt worden. Der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat in der letzten Legislaturperiode in Schweden die Erfahrung machen dürfen, müssen, können – ganz wie Sie wollen- dass dort mit offiziellen Stellen keine Termine nach 17 Uhr zu machen waren; uns wurde erklärt, dass die Eltern, deren Kinder dann aus den Einrichtungen kommen, nicht ausgeschlossen und somit benachteiligt werden sollen gegenüber solchen, die solche Verpflichtungen nicht haben. Warum spreche ich dies hier an, natürlich nicht, um mich gegen Betriebskindergärten an Krankenhäusern auszusprechen, sondern um die Diskussion darauf zu lenken, was ist denn eigentlich familienfreundlich? Was zeichnet ein familienfreundliches Krankenhaus aus? Ist es besonders familienfreundlich, wenn es einen Betriebskindergarten hat, der rund um die Uhr geöffnet ist? Ist es familienfreundlich, wenn ich mein Kind auch dann in eine Einrichtung bringen kann, wenn ich meinen Dienst um 21.30h antrete und es um 5.30h aus dem Schlaf holen lasse, weil ich dann Feierabend habe? oder muss man nicht über andere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdenken? Beispielsweise über Arbeitsorganisation, über Beginn von Schichtzeiten, über Familienpriorität bei der Dienst- und Urlaubsplanung, über Fortbildung während der Elternzeit, über einen Mittagstisch für Kinder von Mitarbeitern, über aktive Beratung und Vermittlung zur Kinderbetreuung auch in Notfällen, über Zuschüsse zur Kinderbetreuung und, und, und… Wenn man sich die Häuser anschaut, die Familien entsprechende Angebote machen, und davon gibt es auch einige in NRW – nicht nur die in Hamm – dann sieht man wie vielfältig die Maßnahmen sein können. Hilfestellungen und Unterstützung bei solchen Konzepten gibt es auch von Seiten der Landesregierung. So gibt es z. B. von der Ministerin Schäfer eine entsprechende Handreichung für Betriebe zur Einrichtung von Betriebskindergärten bzw. betriebsnahen Einrichtungen. Denn das Thema ist ja nicht neu. Ich darf daran erinnern, dass wir 2009 Anträge von rot- grün zur Schaffung von familiengerechten Hochschulen beraten haben. Leider haben sie die damals abgelehnt. Ihr jetziger Antrag legt die Vermutung nahe, dass Sie das heute anders sehen. Schwarz- rot hat im Februar 2008 auf Bundesebene ein Programm zur Förderung betrieblicher Kinderbetreuung von Mitarbeiterkindern unter 3 aufgelegt. Das Programm läuft Ende 2012 aus, der letzte Antragsschluss ist morgen. Vielleicht sollten Sie mal in Berlin schauen, ob sie das Programm nicht verlängern. Anrede! Seit Jahrzehnten ist allgemein bekannt, dass motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bessere Arbeitsergebnisse hervorbringen. Nun liegt auch eine aktuelle Studie von berufundfamiliegGmbH im Auftrag der Hertie-Stiftung vor. Diese zeigt auf, dass es bei 85% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer höheren Motivation führt, wenn Krankenhäuser sich familienfreundlich aufstellen. Gleichzeitig steigt die Arbeitsqualität um bis zu 70%. Ökonomisch betrachtet führt es also zu einer höheren Produktivität. Vor allem führt es aber zu einer höheren Patientenzufriedenheit. Allein das hätte in der Vergangenheit schon dazu führen müssen, dass sich Krankenhäuser familienfreundlicher aufstellen. Richtig Drive kam aber offenbar erst dann rein, als einige Krankenhäuser bereits Schwierigkeiten hatten, ihre Stellen zu besetzen. Ich finde es bemerkenswert, dass die DKI Studie zu Ärztemangel aus dem Herbst 2010 wie auch das Krankenhausbarometer 2008 feststellen, dass Kliniken mit Ärztemangel signifikant häufiger Kinderbetreuung anbieten. Wir sollten in der Tat nicht darauf warten bis alle Krankenhäuser viele freie Arzt- und Pflegestellen haben, um Krankenhäuser den letzten Anschub zu geben sich familienfreundlich aufzustellen. |